Eine Foto ist schnell gemacht. Klick. Aber wieviel Zeit braucht es ein gutes Foto zu machen? Dazu ist meist mehr erforderlich als nur auf den Auslöser zu drücken. Ich war letzten Freitag auf Verdacht auf Fototour in einen nahegelegenen Buchenwald. Leider hatte sich die morgenliche Hoffnung auf ein paar Sonnenstrahlen, die die Wolkendecke durchbrechen vor Ort nicht erfüllt. Es hatte sogar angefangen zu regnen. Daher hatte ich mal Zeit über dieses Thema nachzudenken.
Ich stellte mir zunächst die Frage, ob ich hier im Wald noch warten und auf besseres Wetter hoffen sollte. Zumindestens müsste der Regen aufhören. Oder sollte ich doch gleich nach Hause fahren. Da ich gerne draußen bin habe ich mich fürs bleiben entschieden und über das Thema Geduld nachgedacht.
Für gute Fotos braucht man als Fotograf viel Geduld. Ausnahmen gibt es sicherlich, aber bei vielen guten Fotos sind entsprechende Vorbereitungen und entsprechende Zeit notwendig. Ich beziehe mich dabei vorwiegend auf die Naturfotografie. Aber auch in anderen Bereichen sind solche Tugenden gefragt.
Zunächst muss man sich auf Motivsuche machen. Dies kann in der Natur alles sein. Zwischen breiten Landschaftsaufnahmen, über Detailaufnahmen, Tieren und einzelnen Pflanzen und Blumen bis hin zu Insekten finden man eine große Vielfalt an Motiven.
Und alle fordern auf ihre Art Geduld.
Ich war am Freitag mit dem Vorsatz in den Wald gefahren um schöne Bilder vom Buchenwald im Herbst bei Sonnenlicht aufzunehmen. Ich war durch den Wald schon öfters durchgefahren und hatte mir vorgestellt, wie er aussehen müsste, wenn „das Wetter stimmt“. Und hierzu bedarf es Geduld. Man muss abwarten, bis sich das Wetter so zeigt, wie man es sich wünscht. Oder man muss das nehmen was man vorfindet. Dann geht es auf die Suche nach einen guten Standpunkt. Hierbei sind viele Sachen zu beachten, wie der Einfall des Lichtes, Stand des Motives zum Licht und der Aufbau insgesamt. Die Suche nach einem guten Bildaufbau braucht Zeit. Manchmal muss man auch lange warten, bis die Sonne so steht wie gewünscht, oder bis eine Wolke so gezogen ist, dass der Aufbau stimmt. Erst dann sollte man auf den Auslöser drücken. Auch Sonnenauf- oder untergänge sind Ereignisse, bei denen man länger auf den richtigen Moment warten sollte, da sich die Lichtverhältnisse ständig ändern und damit neue Bildsituationen ergeben.
Meist mache ich dazu ein Belegfoto, mit dem ich dokumentiere, dass ich da gewesen bin. Wenn ich ein solches im Kasten habe, bin ich entspannter weil ich zumindestens ein ordentliches Foto im Kasten habe und kann mich in Ruhe auf die Arbeit an einem besserem Foto machen. Und wenn dann zB die Wolken nicht so wollen wie ich will, dann ist das halt so.
Bei Tieren ist das ganz ähnlich. Diese kümmern sich meinst nicht darum, sich fotogen hinzustellen oder irgendwas interessantes zum machen, wenn man ankommt. Dies gilt auch für Tiere in Wildparks oder Zoos. Aber in freier Natur muss man sich langsam auf die Tiere zu bewegen und dann warten, ob was spannendes oder fotogenes passiert. Gerade die Tiere in der freien Wildbahn sind meist sehr scheu und sind aufgeregt, sodass sie ihrem eigentlichen „Tagesgeschäft“ zunächst nicht nachgehen. Dies gibt sich erst nach einiger Zeit. Und hierfür braucht es auch Geduld.
Man muss auch den richtigen Moment abpassen. ZB bei Greifvogelshows, ist es wichtig, auf den richtigen Moment zu warten und dann erst schnell zu reagieren.
Auch bei kleinen Motiven wie Blumen ist Geduld gefragt. Zunächst muss man sie überhaupt finden. Und dann muss man auch auf das Wetter warten. Denn meist ist es für das Motiv besser, wenn die Sonne nicht direkt drauf scheint, sondern die Sonne von einer Wolke verdeckt wird. Darauf muss man ggf. auch länger warten. Zudem muss man sich den optimalen Winkel aussuchen oder verschiedene Winkel ausprobieren.
Auch bei Insekten ist Geduld gefragt. Diese neigen dazu schnell zu flüchten. Daher muss man sich vorsichtige an die Fluchtdistanz heran bewegen und sich auch den richtigen Lichtwinkel suchen. Gerade bei so kleinen Motiven muss man sehr oft ansetzen, weil hier die Tiefenschärfe ein Problem ist und man viele Versuchen starten muss um ein gutes Bild zu haben, bei der die Schärfe am richtigen Punkt sitzt. Auch dies fordert Geduld.
Insgesamt ist als gerade in der Naturfotografie viel Geduld gefragt. Andererseits genieße ich die Zeit in der Natur und beobachte gerne wie sich meine Umgebung mit der Zeit verändert. Ich finden es sehr entspannten, mal so in der Natur zu stehen und die Ruhe zu genießen. Zudem ist die Freude größer, wenn sich das Warten mal auszahlt und mit einem guten Foto belohnt wird.
Mich würde interessieren, ob ihr das genauso seht. Und ob ihr vergleichbare Erfahrungen gemacht habe. Insbesondere vielleicht in anderen fotografischen Bereichen als die Naturfotografie. Ich könnte mir vorstellen, dass dies auch in der Sportfotografie oder der Portraitfotografie gilt. Über eure Meinungen würde ich mich sehr freuen.
P.S. Meine Verlobte hat auch mit mir und meinem Hobby sehr viel Geduld, wofür ich ihr sehr dankbar bin. :-)
Erfahrungsberichte


Kommentare
Das geht ja gar nicht...
aber du hast schon Recht, es würde wahrscheinlich vieles einfacher machen, wenn man mit mehr Ruhe an das Ganze gehen würde.
Kann ich nur leider sehr schlecht.. nach einer Viertelstunde auf dem Beobachtungstur m ohne dass was passiert ist, bin ich ja schon wieder auf dem Weg nach unten...
Kann man denn dieses...Geduld.. erlernen?
Über ein paar Tipps würde ich mich freuen bzw. einer detaillierten Beschreibung ;)
Ebenfalls in der Konzertfotograf ie brauchts oft Geduld. Ich mag nicht einfach drauf losknipsen, nach dem Motto "Hauptsache ich hab den Musiker mal auf dem Sensor".
Nein, mir ist wichtig, die Lichtstimmung auf der Bühne und die Ausdrucksstärke des Musikkünstlers im Foto zu vereinen.
Da ich Fotografie aber als Hobby betreibe, nehme ich es gern mit der Geduld auf :)
Ich liebe Früh Morgen Aufnahmen bei Nebel, draußen in freier Natur.
Schwierig für mich ist hierbei die Tatsache dass ich mitten in einer Großstadt wie Nürnberg wohne und beim Blick aus dem Fenster nicht abschätzen kann ob es draußen auf dem Lande ein nebeliger Tag sein wird.
Oftmals bin ich am Wochenende weit vor Sonnenaufgang aufgestanden, raus in die Pampa gefahren und enttäuscht festgestellt dass ich heute keinen Nebel hatte.
Ne Woche später die gleiche Prozedur und man wird dann mit einer herrlichen Nebellandschaft belohnt. Geduld muss man haben :)
Ich shoote viel im Studio wo vieles durchgeplant ist und man manchmal auch Zeitdruck hat. Ich habe schon oft nach einem Shooting ein spontanes, schnelles Foto von Zwischendurch als das Beste des Shootings anerkannt weil der Ausdruck des Models einfach super natürlich und ehrlich war.
Was ich damit sagen möchte: Es kommt auf den Bereich der Fotografie an und Ausnahmen bestätogen die Regel