Nachdem ich über die Olympus E-400 zur E-510 gewechselt hatte, kaufte ich mir die E-30. Nach nunmehr 3 monatigem Sammeln von Erfahrungen, möchte ich euch einen Überblick über die meiner Meinung nach wichtigsten Vor- und Nachteile verschaffen.
Wo kann man diese DSLR positionieren? Ich denke sie spielt in etwa in der selben Liga wie Canon 50D, Nikon D200(300), Pentax K20D, Sony Alpha 700, oder aus der eigenen Olympusfamilie die E-3. Etwas später noch genauere Begründungen.
Als erstes die Wichtigsten Technischen Daten im Überblick:
Bajonett - Four Thirds
Cropfaktor - 2x
Auflösung effektiv - 12,3Mp
TTL Spiegelsucher mit 98% Sichtfeld
Suchervergrösserung 1,02fach
11 AF Messfelder mit 2 Doppelkreuzsensoren
Serienbildgeschwindigkeit - 5Bilder/sec.
Verschlusszeiten von 60sec. bis 1/8000 sec. und Bulb (max 30min.)
Isobereich von 100-3200
Monitor 2,7 zoll 230.000 pixel, dreh und schwenkbar
Bildstabilisator 3 Modi
Supersonic Wavefilter Staubschutzsystem
elektronische Wasserwaage über alle Achsen
Live View mit Kontrast und Phasen AF
ISO-Belichtungsreihen 3 Bilder
Weissabgleichsreihen 3 Bilder
Belichtungsreihen 3 oder 5 Bilder
Gradation Auto für Schatten und Lichter
Mehrfachbelichtung bis zu 4 Bilder übereinander
17 Kreativprogramme und 7 Artfilter
und noch einiges mehr...
Der erste Eindruck in der Hand
ist durchwegs positiv, die Haptik ist mit üppigen Gummierungen sehr gut, große sowie kleine
Hände finden sehr gut Halt. Die Bedienung der Einstellräder vorne und hinten sowie der übrigen Tasten gelingt sehr gut. Eigentlich ist alles dort wo es hingehört. Die Verarbeitung ist ausgezeichnet. Als Vorteil empfinde ich das doch recht hohe Gewicht, denn die grössere Masse wirkt Verwacklern entgegen. Ein kleiner Nachteil am Gehäuse: Die Speicherkartenabdeckung hat in der Längsachse leichtes Spiel von ca. 1/2mm, wäre nicht weiter tragisch wenn sie nicht genau am rechten Handballen anliegen wuerde. Man hat immer irgendwo das Gefühl das sich etwas bewegt. Ein stück Tesastreifen hilft.
Die Kamera in Aktion:
Der AF ist schnell und mit SWD Objektiven verdammt schnell. Er ist sehr treffsicher und das auch bei sehr wenig Licht (bis -2EV). Die Auslöseverzögerung ist meines Erachtens sehr gering, wenn überhaupt wahrnehmbar. Das Auslösen, na ja, jetzt kommen wir zu einem Punkt den ich zu den negativen Eigenschaften der E-30 zähle. Das Spiegel-Klappgerausch ist im Verhältnis zu meinen anderen Olympus DSLRs sehr laut. Für Tierfotografen nicht unbedingt förderlich.
Im Serienbildmodus ist die E-30 mit 5 Bildern/sec. flott aber nicht aussergewöhnlich. Für Sportaufnahmen und Situationen wo man nur eine Gelegenheit zum "Schuß" hat, reicht es allemal. AF Tracking in waagrecht.- und senkrechter Richtung funktioniert gut, könnte aber einen
tick ruhiger sein. In manchen Situationen tritt leichtes pumpen auf. Nun bin ich bei Negativerfahrung Nr.2. Af Bilder bei Motiven die auf den Fotografen zusteuern haben aus meiner Erfahrung eine Trefferquote von 30-40%. Das ist meiner Meinung nach zu wenig! Hier ist der "normale" AF die bessere Wahl, er ist schnell genug um die Motive rasch zu erfassen. Komischerweise funktioniert der AF bei sich weg bewegenden Motiven besser? Eine sehr positive Sache ist der Umstand daß man alle 11 AF Felder frei konfigurieren kann, einzeln, in Gruppen, oder zusammen. Man kann auch den Bereich der Messung um die einzelnen AF Felder einstellen: entweder Messung nur innerhalb des Feldes oder auch inkl. eines kleineren Bereichs ausserhalb.
Es gibt eine Menge Helferlein an Board. Sei es die Autogradation, die Lichter nicht ausfressen läßt ,und den Schatten zeichnung verleiht, oder die verschiedensten Belichtungsreihen (siehe Technische Daten). Positiv erwähnenswert ist sicherlich der Live View Modus, der mit Verlaub gesagt, der momentan beste seiner Klasse ist. Nicht zuletzt wegen des sehr flexibel verwendbaren Monitors. Beim Thema Monitor komme ich schließlich zum dritten Negativpunkt auf meiner Liste. Warum zum T....l verbaut Olympus einen Monitor mit 230.000 pixel? OK er ist bei Gott nicht schlecht, aber das kann Canon, Nikon und Sony besser. Zur Rettung der Ehre muß ich bemerken daß er noch immer besser ist, als der von der E-3. Die Menüs der Olympus sind sehr sehr Umfangreich und erfordern bei speziellem feintuning doch etwas Einarbeitungszeit oder das Handbuch.
Die Bildqualität
ist meiner Meinung nach für ambitionierte Amateure wie mich und sicher darüber hinaus sehr sehr gut. Die Raw Dateien sind excellent zu bearbeiten. Die Detailauflösung ist sehr gut. Einzig aufpassen muß man im Auto Gradationsmodus mit der Belichtung. Die Software der E-30 neigt bei Unterbelichtungen dazu, daß die Jpg´s unnötig aufgehellt werden und dadurch unschöne "Rauschflecken" entstehen.
Das Thema rauschen ist wie bei jeder anderen Digitalcam auch ein Thema. Bis Iso 800 sind Abzüge in A3 Format in sehr guter Qualität möglich. Subjektive Betrachtung der Bilder bringt ein sehr erfreuliches Ergebnis. Die Fotos wirken frisch und knackig, trotzdem scheint es so als ob Olympus die Bilder sehr vorsichtig interpretiert. Bei der Ausarbeitung am PC ist noch eine Menge rauszuholen.
Insgesammt kann ich sagen daß die E-30 eine sehr ernstzunehmende DSLR ist. Fairerweise muß ich bemerken, rauschen zB. die Bilder einer Nikon D300 oder Canon 50D doch weniger (allerdings merkt man den unterschied erst bei 100% Ansicht am PC).
Die neuen Art-Filter sind eine nette Beigabe, "Softfokus" (ala´NEWTON) ist in geigneten Situationen sehr schön, soft-light dämpft harte Lichter, Pop-Art erzeugt knallige Farben und der Rest (SW-körniger Film, Lochkammera, blass und hell, leichte Tonung) sind nicht wirklich brauchbar. Das kann jede Software besser!
Zum Schluß bleibt mir folgendes Fazit:
In der Praxis läßt sich die E-30 hervorragend einsetzen. Ich verwende sie vorwiegend fuer Sport und Tieraufnahmen, Macros machen ebenfalls Spaß. Sie ist sehr gut und robust verarbeitet und steckt auch einiges weg. Die Bildqualität ist sehr gut, und hätte sie das Spritzwassergeschützte Gehäuse der E-3, wäre sie im Hause Olympus die Nr.1!
Im Vergleich zur APSC Klasse muß man sagen, sie kann mithalten, übertrifft viele Semiprofi DSLR in der Ausstattung, die Bildqualität ist zur Konkurenz vergleichbar und beim Rauschen muß sie sich den Mitbewerbern von Canon und Nikon geschlagen geben. Aber seien wir uns doch ehrlich, gut sind sie Heute schon alle, egal was auf dem Gurt steht ;-)
Ich jedenfalls bereue den Kauf dieser Cam nicht! Sie genügt semiproffessionellen Ansprüchen und läuft in Verbindung mit den Zuiko Pro Objektiven zur Höchstform auf.
Ich hoffe einen praxisorientierten Überblick gegeben zu haben. spezielle Fragen beantworte ich gerne im Forum.
Walter Oberhofer
Erfahrungsberichte

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