Die Graukarte

Die Graukarte

Ich habe schon oft von der sogenannten Graukarte gehört. Im Zusammenhang mit der Hochzeitsfotografie wurde diese immer wieder genannt, um sicherzustellen, dass das weiße Braukleid weiß bleibt und nicht Blaukraut wird ;-)

Also hab ich mir mal in das Thema in verschiedenen Foren und Fotoseiten eingelesen und mir eine Graukarte zugelegt. Es ist gar nicht so einfach eine Graukarte richtig anzuwenden, wie es vielfach berichtet wird.

Zunächst einmal zur Theorie: Die Graukarte dient dazu einen ganz exakten Weißabgleich durchzuführen. Das aufzunehmende Licht hat immer eine unterschiedliche Farbtemperatur. Die Farben in der hellen Mittagssonne sind anders, als zum Abend (Blaue Stunde) oder gar unter Glühlampen oder Neonröhren. Bei einem weißen Braukleid kann es zudem zu Farbveränderungen kommen, wenn man unter grünen Bäumen steht oder an einer roten Wand. Diese reflektieren die jeweilige Farbe auf das Kleid, sodass das Kleid grünlich oder rötlich wird. Daher muss die Kamera immer wissen, welches Licht vorherrscht, damit auch die Farbe Weiß auch wieder weiß dargestellt wird. Die heutigen Kameras haben einen automatischen Weißabgleich, der grundsätzlich auch sehr gut funktioniert. Zudem besteht meist die Möglichkeit, bei der Kamera bestimmte Lichtsituationen einzustellen (Tageslicht, Kunstlist etc.). Diese Lösungen arbeiten grundsätzlich sehr gut, können aber auch manchmal etwas daneben liegen. Um sicher zu stellen, dass der Weißabgleich richtig ist, dient nun die Graukarte. Sie besteht aus einem definierten 18 %igem Grau. Darauf sind alle Kameras und auch die spätere Software geeicht (oder sollten es sein).

Nun kann mal die Graukarte vor dem aufzunehmenden Objekt halten und mit der Kamera aufnehmen. Einige Kameras können dann einen manuellen Weißabgleich vornehmen. Nimmt man die Fotos im RAW-Format auf, so kann man den Weißabgleich auch bequem zuhause am PC noch nachholen. Wichtig ist dabei, dass die Karte genau beim Objekt gehalten wird, um die dort herrschenden Lichtverhältnisse zu berücksichtigen. Denn bei dieser Art der Messung handelt es sich um die Objektmessung. Daneben gibt es die Lichtmessung, die das einfallende Licht in der Linse misst. Bei der Objektmessung wird das Licht auf dem Objekt bzw. auf der Graukarte gemessen.

Soviel zur Theorie in Kürze, soweit ich es aus den verschiedenen Foren rauslesen konnte, wobei festzustellen ist, dass es hierzu so viele Meinungen und Ansätze gibt wie Sand am Meer. Ich kann jetzt auch nicht garantieren, dass ich das jetzt alles richtig wieder gegeben habe. Jedenfalls bin ich mit diesem Hintergrund in die praktischen Versuche gegangen.

Nachdem die bestellte Graukarte angekommen war, habe ich sie ausgiebig zuhause ausprobiert. Dabei hatte ich meist als Lichtquelle die Glühlampe. Ich hab mich erstmal damit vertraut gemacht, die der manuelle Weißabgleich in meiner Kamera durchführt. Auch habe ich am PC rumprobiert, wie man den Weißabgleich anhand der Graukarte korrigiert. Die Ergebnisse waren zufrieden stellend.

Jedoch habe ich nun auf der Hochzeit die Erfahrung gemacht, dass dort die Graukarte mehr oder weniger nutzlos ist. Ich habe später noch mal in Foren gestöbert und auch mehrfach die Meinung gefunden, dass dies bei der Hochzeitsreportage Blödsinn ist. Dies kann ich bestätigen. Sinnvoll mag es noch bei den Portraitfotos sein, wo man eine gestellte Situation hat, in der man dem Brautpaar noch mal kurz die Graukarte in die Hand drücken kann.

Bei der Reportagefotografie ist das allerdings schlecht. Man kann ja in der Kirche einfach nicht während der Feier und speziell beim Ringtausch oder ähnlichen wichtigen Situationen kurz pfeifen dass alle inne halten sollen und dem Braupaar eine Graukarte unterjubeln. Auch ist es nicht möglich, vorher oder nachher die Graukarte beim Altar oder später auf der Tanzfläche aufzunehmen. Dass würde nur funktionieren, wenn sichergestellt ist, dass die gesamt Zeit konstante Lichtverhältnisse bzw. die gleiche Farbtemperatur vorherrscht. Die ist aber aufgrund eines veränderten Sonnenstandes oder auch durch vorbeiziehende Wolken nicht gewährleistet.

Auch ist es nicht möglich die Graukarte in der Nähe der eigentlichen Situation anzumessen, in der Hoffnung, die Farbtemperatur wäre die gleiche. Das habe ich bei der Hochzeit im Restaurant versucht. Ich nahm an, dass aufgrund der gleichmäßigen Deckenbeleuchtung die Farbtemperatur im gesamten Raum gleich ist und habe die Graukarte in der Ecke aufgenommen um nicht zu stören. Zuhause habe ich dann festgestellt, dass ich auf einer Graukarte sogar drei verschiedene Farbtemperaturen messen konnte. Einmal die Glühbirnendeckenbeleuchtung, zum Zweiten das Tageslicht, was noch von einem nahen Fenster kam und zum dritten die Rotverschiebung durch eine rote Backsteinwand, an der ich fotografiert habe. Also waren diesen Messungen völlig nutzlos und habe mir gezeigt, die Graukarte wirklich genau bei aufzunehmenden Objekt und dies aus Zeitnahe zur Aufnahmesituation sein muss, damit das überhaupt was werden soll. Und dies ist bei einer Hochzeitsfeier leider nicht wirklich möglich.

Mich würde interessieren welche Erfahrungen ihr mit Graukarten gemacht habt. Hat vielleicht jemand sogar damit eine Hochzeit aufgenommen und andere Erfahrungen gemacht. Vielleicht hat noch jemand Tipps, da ich noch 2 Hochzeiten als Fotograf vor mir habe.

Nachtrag: ich hab noch das Blogfoto eingefügt. Darauf seht ihr ein Bild einer Graukarte, das ich zwei mal entwickelt habe. Ich habe den Weißabgleich einmal auf der Rechten und einmal auf der Linken Seite per Pipette vorgenommen. Dabei sind völlig unterschiedliche Abgleiche rausgekommen.

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